Tipps, Hinweise und Qualitätsunterschiede für Kauf, Verkauf und Reparaturen, von Schaufensterpuppen für Interessierte und Sammler.


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Brief an ein bekanntes Versandhaus


Betr.: Ihre Lieferung vom 25.02.2008 Rechnungs- Nr.: 0815


Sehr geehrte Damen und Herren,


am 25.02.2008 habe ich Ihre Lieferung meiner bei Ihnen bestellten Couch - Garnitur erhalten. Auch wenn ich von der falsch gelieferten Farbe absehe, ich hatte Vanille bestellt und Weiß erhalten, kann man von Lieferfreundlichkeit seitens des Spediteurs in keiner Weise sprechen. Die beiden Herren der Spedition weigerten sich die Couch ins Haus zu tragen, weil das Treppenhaus zu eng wäre. Selbst in ausgepackten Zustand wollten die Herren sich nicht bemühen mit der Begründung, falls etwas beschädigt wird, müssten sie für den Schaden aufkommen. Auf meine Versicherung hin, dass ich hierfür die Verantwortung übernehme, ließen sich die Herren ebenfalls nicht ein.

Ich darf Ihnen versichern, dass mein Mobiliar nicht nur aus Bananenkisten besteht, sondern sich auch durchaus einige größere Möbelstücke darunter befinden. Hierzu zählen unter anderem auch neben einem Klavier, wovon bei Kennern bekannt ist, dass man davon allenfalls die Tasten entfernen kann und das war´s dann aber auch schon. Des weiteren eine komplette Einbauküche, ein Schlafzimmerschrank 3,20 X 2,20 X 70, ein großes Buffett 2,20 X 1,80 X 63,5, Kühl - Gefrierkombination 2,00 X 60 X 60, Ein komplettes Esszimmer selbstverständlich mit einem schönen Glastisch und 6 Stühlen mit Teppich darunter, wegen des Drecks, aber nicht, dass Sie jetzt Denken, dass bei uns alles unter den Teppich gekehrt wird, denn sonst würde ich Ihnen ja nicht schreiben, wir kehren immer alles die Treppe runter, durch das angeblich zu enge Treppenhaus und fegen dann ordentlich unten zusammen. Wir lassen den Dreck da unten nicht Liegen, wie schon der alte Spruch sagt, jeder kehrt vor seiner eigenen Tür und daran halten wir uns natürlich auch, selbst mit einem angeblich zu engen Treppenhaus.

Ich möchte Ihnen die weitere Aufzählung meines Haushalts ersparen, sonst sitze ich noch morgen früh da und Sie müssten lesen bis Sie schwarz werden.

Wie dem auch sei, ich hatte ja Eingangs bemerkt, dass es sich bei der Lieferung um eine Couch - Garnitur handelt, die Sie mir geliefert bzw. einfach vors Haus gestellt haben und nicht um ein paar billige Gartenmöbel. Sicher wäre es nicht schlecht es sich im Sommer mal gemütlich auf einer Couch - Garnitur im Garten nieder zu lassen, den Nachbarn mit nacktem Oberkörper beim Mähen des Rasens zuzusehen, laute Musik von unserem anderen Nachbarn, der der eine glaubt Heavy Metal sei die einzig wahre Musik, 4 andere lassen den lieben langen Tag volle Kanne ihr Radio dudeln, nicht etwa dass sich die Trottel wenigstens einmal auf einen Sender einigen könnten, dröhnt aus jeder Kiste natürlich ein anderer Sender, lustigen Vögeln in den Bäumen und die Nachbarskatze inflagranti dabei zu erwischen, wie sie mal wieder mitten in unsere Beete scheißt.

Nur ist es gerade nicht Sommer sondern noch mitten im Winter und ich habe auch keine Lust mir den Arsch abzufrieren nur weil die Herren nicht in Stimmung waren. Außerdem habe ich auch keine Lust mir noch mal eine Couch - Garnitur zu kaufen in der Hoffnung, dass unser Treppenhaus bis dahin breiter wird. Meine Nachbarin, die Gerda, der habe ich davon erzählt, dem Versand und Spediteur und auch sie war nicht der Meinung dass das Treppenhaus in naher Zukunft breiter oder niedriger wird.

Was blieb mir also anderes übrig, wenn ich keine Gartenmöbel sondern eine Couch - Garnitur haben wollte und zwar in meinem Wohnzimmer und nicht vor unserer Hecke, wo ewig die Katzen vorbeilaufen, wenn sie zum Beet gehen.

Also rief ich bei verschiedenen Bekannten an, erzählte ihnen meine traurige Geschichte und bat um Hilfe. Ich möchte Sie hier nicht mit den Meinungen meiner Bekannten über Ihr Versandhaus und die Spedition langweilen, ich glaube auch nicht, dass mein Computer das zulässt, da eine Kindersicherung eingebaut ist, die selbst so einfache Schimpfwörter wie „scheiße“ einfach ignoriert und mit wirren Zeichen versieht.

Auf alle Fälle hatte ich Glück und zwei meiner Bekannten aus der Arbeiterklasse fanden sich bereit mir den Krempel ins Haus zu bringen, natürlich nicht für umme. Die ganzen anderen Penner konnte ich grad mal vergessen, faules Pack das sich lieber vor die Glotze setzt und Talkshows oder andere zweideutige Filme reinzieht.

Nachdem wir die finanzielle Frage geklärt hatten und ein fester Preis vereinbart war, bestand ich natürlich ebenfalls darauf, dass die Entlohnung für das Schleppen der Couch - Garnitur anständig versteuert und beim Finanzamt gemeldet wird. Man hört ja viel in letzter Zeit über Steuerhinterziehung und Schwarzgelder und schließlich wären ja auch sozusagen die Schleppgelder schwarzes Geld. Ich war heilfroh, dass keiner der beiden Hartz IV Empfänger war, sonst hätten wir ja noch mehr Zirkus gehabt, allein wegen der Meldung zusätzlicher Einnahmen. Ich kenne das vom Heinz, ein Bekannter von mir, zwar ein fauler Sack aber sonst ganz in Ordnung. Nur war der auch gerade nicht da, weil er unterwegs zu Lidl war um noch ein paar leere Pfandflaschen umzusetzen.

Nachdem die beiden Jungs das Gebiet erkundet und einen Plan hatten, zogen sie ihre Hemden aus und gingen an den Zweisitzer. Auf mein erstauntes Gesicht hin, sagte der Fritz, das wäre im Preis mit drin. Sie können sich sicher meine Erleichterung vorstellen, man hört ja so oft davon, das man für alle Extras noch draufzahlen muss.

Dass der Transport nicht einfach war kann man sich ja vorstellen, es ging immerhin in den dritten Stock. Der Heinz stammt aus der Arbeiterklasse das hatte ich ja schon eingangs erwähnt, aber als ich so die beiden sah wie sie mit den leicht behaarten nackten Oberkörpern und glänzenden feinen Schweißperlen den Dreisitzer die Treppe hochschleppten, durch das berühmte enge Treppenhaus, überall ein feiner Duft von Axe - Deo, musste ich unwillkürlich an die Shampoo Werbung denken in der die Tusse so komisch rumstöhnt, denn genau das sch... Shampoo hatte ich heute morgen beim Einkaufen vergessen.

Der Fritz hat so gestöhnt und geächzt als er endlich im dritten Stock ankam, ich hatte schon Angst der würde mir gleich auf die Couch kotzen, aber die war ja zum Glück noch eingepackt !!!

Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Schluck Leitungswasser ging es wieder hinunter um das zweite Element zu holen. Diesmal ging es schon etwas einfacher, die Jungs waren schon warm, der Weg durch das angeblich zu enge Treppenhaus war bereits bekannt und Fritz erinnerte sich an einen alten Kniff den er mal bei professionellen und servicefreundlichen Spedition beobachtet hatte, als sie eine Küche sogar in den 4. Stock getragen hatten. Er öffnete seinen Hosenladen und hängte eine Ecke des Zweisitzers mit dem Bein hinein und sagte so geht es einfacher. Wieder ging es das Treppenhaus hinauf, die Jungs tropften wie ein Kieslaster, die Luft voller Axe - Deo und leichtem stöhnen.

Insgesamt brauchten der Fritz und sein Kumpel knapp 25 Minuten um die Couch - Garnitur in mein Wohnzimmer zu schleppen und halfen mir beim Auspacken der Couch - Garnitur, bauten sie mir sogar noch zusammen und halfen mir beim Entsorgen der Verpackung !!!

Ich habe inzwischen auch eine Stoffprobe von Ihnen bekommen, Weiß und Vanille. Ich möchte zwar nicht behaupten dass Ihre Zulieferer farbenblind sind, aber Sie sollten vielleicht mal einen Optiker zu rate ziehen. Bitte grüßen Sie mir auch die freundliche Dame vom Callcenter, die sogar durch das Telefon sehen konnte dass die Couch, entgegen meinen Ausführungen, Vanillefarben sei.

Sollten Sie trotz aller Umstände immer noch der Meinung sein Sie hätten mir Vanille - Farben zugesandt, können Sie gerne mal auf einen Kaffee vorbeikommen, ich sage dann auch dem Fritz und seinem Kumpel Bescheid, aber den Preis für das ablegen der Oberhemden tragen diesmal Sie.

Einen solchen Service bin ich von Ihnen eigentlich nicht gewöhnt und war bisher immer zufrieden, aber diesmal haben Sie den Vogel abgeschossen. Ein lächerlicher Preisnachlass von 15.- Euro für die Lieferung der falschen Farbe der nicht einmal ausreichte um die zwei halbnackten Kerle mit dem Axe - Gestank zu Bezahlen. Die Verpackung musste ich ebenfalls selbst entsorgen, wer einigermaßen in einer zivilisierten Stadt wohnt, weis was die inzwischen für einen Zirkus wegen Verpackungsmaterial veranstalten.

Auf alle Fälle werde ich die ganze Angelegenheit noch mal mit meinen Freundinnen beim nächsten Tupper- oder Dildo -Dessousabend Besprechen, ich weis jetzt nicht welcher der Termine näher liegt, vielleicht hat ja eine der Tussen ja ähnliche Erfahrungen gemacht. Schlimmstenfalls könnte ich ja wenigstens noch die beiden Jungs weitervermieten um mein Schleppgeld wieder raus zu bekommen.

Ich weis ja nicht wie die schäbige Konkurrenz solche Reklamationen handhabt, aber bisher war ich von Ihnen besseres gewöhnt.

Abschließend stellt sich jetzt die Frage wer sich verarschter vorkommt, Sie durch meine Zuschrift oder ich auf meiner "Vanille" - Couch.


Mit freundlichen Grüßen


© Bernhard Dinger

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Letzte Aktualisierung: 29.01.2013 11:41:49 Uhr

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